Weihnachtstraditionen in Deutschland und Katalonien: Der Weihnachtsbaum und Cagatío

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Kurz vor Weihnachten möchten wir von SocialForest die Geschichte zweier schöner Weihnachtskulturen aus Deutschland und Katalonien mit euch teilen. Wie kommt es, dass in nahezu jedem Haus auf vielen Teilen der Welt zur Weihnachtszeit ein Baum aufgestellt wird? Und wieso füttern Kinder in Katalonien einen Baumstamm namens Tío während der Vorweihnachtszeit mit Äpfel und Brot, um ihn dann an Weihnachten mit einem Stock zu schlagen? Antworten darauf und viele weitere wissenswerte Informationen, auch zur Nachhaltigkeit beim Weihnachtsbaumkauf, gibt’s in diesem Artikel.

 

Der Weihnachtsbaum

Der Weihnachtsbaum, auch Christbaum oder Tannenbaum genannt, ist einer der beliebtesten Weihnachtsbräuche weltweit. Dieser hat seinen Ursprung bereits im frühen 15. Jahrhundert in Freiburg im Breisgau. Von dort verbreitete sich diese schöne deutsche Weihnachtstradition im 19. Jahrhundert über die ganze Welt.

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Weihnachtsbaum in Balingen

Die Geschichte des Weihnachtsbaumes

Bereits im antiken Rom schmückten Familien zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Grün. Lorbeer, Efeu, Fichte, Tanne, Stechpalme u.v.m. waren und sind als immergrüne Pflanzen ein Symbol für Lebenskraft und Hoffnung. Bei den Römern wurde die grüne Dekoration im Haus bereits als Hoffnungsträger für den wiederkommenden Frühling verwendet und verkörperte Leben und Fruchtbarkeit.

Der Christbaum, wie wir ihn heute kennen, wurde zum ersten Mal 1419 belegt. Demnach sollen damals die Bäcker aus Freiburg im Breisgau einen Baum mit Süßigkeiten, Nüssen und Früchten geschmückt haben, an dem sich die Kinder zum Jahreswechsel bedienen durften. Später, im 16. Jahrhundert, wird in zahlreichen Schriften über die „Weihnachtsmeien“ in den Ortschaften am Oberrhein erzählt. Dabei handelt es sich, um grüne Tannenzweige als Weihnachtsschmuck in den elsässischen Familienhäusern. Überlieferungen zufolge handelte man in Straßburg im Jahr 1535 dann bereits mit Bäumen; nämlich kleinen Eiben, Stechpalmen und Buchsbäumen. Dieser Brauch verbreitete sich dann ab 1570 auch im Norden Deutschlands, wo Zunfthäuser der Bremer Handwerker geschmückte Bäume aufstellten.

Während sich in evangelischen Kreisen der heidnische Christbaum schnell etablierte, beharrte die katholische Kirche lange Zeit auf der Weihnachtskrippe als einziges und wichtigstes Weihnachtssymbol. Mit der Zeit konnte sie sich aber der Popularität des geschmückten Tannenbaums als Weihnachtsbrauch nicht widersetzen und begann ihn in die Weihnachtsfeierlichkeiten zu integrieren.

Ende des 19. Jahrhunderts begann sich der Weihnachtsbaum dann über ganz Deutschland und, durch verwandtschaftliche Verbindungen deutscher Adelsfamilien zu den Höfen im Ausland, in ganz Europa zu verbreiten. Während des Unabhängigkeitskrieges in den USA führten deutsche Auswanderer und Soldaten den Weihnachtsbrauch auch in Nordamerika ein, bis 1891 das erste Mal ein „Christmas Tree“ im Weißen Haus aufgestellt wurde.

 

Der Weihnachtsbaum heute und Nachhaltigkeit

Heute erfreut sich der Weihnachtsbaum weltweit sehr großer Beliebtheit. Die mit Lichtern, Christbaumkugeln, Lametta, Engeln und Sternen geschmückten Nordmanntannen, Rot- oder Blaufichten werden meistens kurz vor Weihnachten in den Häusern aufgestellt und bleiben dort üblicherweise bis zum 6. Januar stehen. Danach werden abgenutzte Weihnachtsbäume in Deutschland oft von kommunalen Unternehmen und anderen Versorgern energetisch verwertet. In Form von Biomasse oder Holzhackschnitzel können die benutzten Weihnachtsbäume noch als Energielieferanten verwendet werden.

Da uns bei SocialForest neben der schönen Weihnachtsstimmung und Freude an einem alten Weihnachtsbrauch aus dem Wald auch besonders Nachhaltigkeit und Umweltschutz am Herzen liegt, möchten wir euch noch ein paar Tipps mit an die Hand geben, wie ihr euren Weihnachtsbaum nachhaltiger gestalten könnt:

  • Achte beim Kauf des Weihnachtsbaumes auf Herkunft und Ökobilanz des Nadelbaumes. Das heißt: Bevorzuge heimische Bäume, die keinen langen Transportweg zurücklegen aus FSC-zertifizierter, ökologischer Waldwirtschaft stammen.

  • Noch besser: Kaufe einen Weihnachtsbaum im Topf mit intaktem Wurzelballen, der danach nicht entsorgt werden muss, sondern gepflanzt werden kann. Du weißt ja – mindestens einmal im Leben muss man einen Baum pflanzen. Wieso daraus nicht ein alljährliches Neujahrsritual machen?

  • Alternativ: Lass deiner Kreativität freien Lauf! Es gibt zahlreiche Alternativen zur Weihnachtstanne. Ein Ersatz lässt sich aus geradezu allem basteln. Wir haben ein schönes Beispiel aus einer Leiter und Ästen im CTFC in Katalonien entdeckt:

Weihnachtsbaum im Centre Tecnologic Forestal Catalunya

Oder lass dich von den Römern inspirieren und schmücke dein Heim mit Lorbeer-, Tannen- oder anderen immergrünen Zweigen.

  • Stromsparende und nachhaltige Beleuchtung mit LED-Lichterketten zaubert ein ebenso schönes, warmes Weihnachtsambiente, schonen aber Ressourcen und Umwelt.

  • Selbstgebastelter Weihnachtsbaumschmuck aus Stroh, Lebkuchen oder sonstigen Leckereien. Der Vorteil: Die Herstellung macht Spaß und nach Abbau des Weihnachtsbaumes kann die Deko teilweise verzehrt werden. Außerdem entsteht kein Plastikmüll, der die Umwelt belastet.

 

Der Cagatío

Der Cagatío, oder auch Tío de Nadal, ist ein katalanischer Weihnachtsbrauch heidnischen Ursprungs. Es handelt sich dabei um ein Stück Baumstamm („tío“) mit zwei Holzbeinen, einem freundlich lachenden Gesicht und einer roten Mütze („Barretina“), der an Heiligabend Geschenke „kackt“ („caga“). Besonders für Kinder ist diese Tradition ein riesen Spaß.

 

Der selbstgebaute SocialForest Tío

Der selbstgebaute SocialForest Tío

Der Brauch

Vom  8. Dezember bis Weihnachten kümmern sich die Kinder um ihren Caga Tío wie um ein Haustier. Das heißt, sie geben ihm zu essen, decken ihn mit einer roten Decke zu, damit er nicht friert und singen ihm katalanische Lieder vor. In manchen Haushalten wird er sogar alle paar Tage durch einen größeren ausgewechselt, um die Kinder glauben zu lassen, dass der Tío durch gute Pflege und Essen wächst. Je größer er wird, je besser er also gepflegt wird, desto größere Geschenke kann er an Weihnachten „kacken“.

An Heiligabend muss sich der Caga Tío dann entleeren. Dazu singen die Kinder ein Lied, in dem sie ihn auffordern gute Geschenke zu „kacken“ und schlagen ihn währenddessen mit einem Stock. Es gibt unzählige Version des Liedes, das während dieses Brauches in den katalanischen Familien gesungen wird. Eines geht zum Beispiel so:

 

“Caga tió,

caga torró,

avellanes i mató,

si no cagues bé

et daré un cop de bastó.

caga tió!”

„Kack, Baumstamm,

Kack Torron,

Haselnüsse und Mató Käse,

wenn du nicht gut kackst

schlage ich dich mit dem Stock.

Kack, Baumstamm!“

 

Danach verstecken die Kinder sich entweder für ein Gebet in ihrem Zimmer, während ihre Eltern die Geschenke unter der Decke des Caga Tíos positionieren; oder die Geschenke wurden schon davor vorbereitet. Wenn die Kinder die Decke wegnehmen finden sie verschiedene Geschenke, die der Tío für sie „gekackt“ hat. Traditionell befinden sich Süßigkeiten, Früchte und Nüsse unter der Decke. Heutzutage bekommen die Kinder aber auch je nach Familie immer öfter Spielzeug oder sonstige Geschenk vom Caga Tío. In den meisten Familien werden die großen Geschenke jedoch erst am 6. Januar zu Heilig-Drei-Könige überreicht.

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Geschichte und Ursprung des Cagatíos

Der Brauch des Caga Tío hat sich seit dem 17. Jahrhundert entwickelt. Ursprünglich war der „Tío“ ein Baumstamm, der im Wohn- oder Esszimmer aufbewahrt und über die kalten Tage um Weihnachten verheizt wurde. Er spendete alles, was für ein fröhliches Weihnachtsfest nötig war: Licht, Wärme und später im symbolischen Sinne Geschenke für die Liebsten. Das waren damals zum Beispiel Golosinas, Barquillos oder Turrones. (Katalanische Süßigkeiten)

Mit der Zeit wurde der Tío mehr und mehr zum Mythos und es entwickelte sich eine fröhliche Geschichte dazu. Demnach ist der Tío nicht nur irgendein Baumstamm, sondern ein magisches Stück Holz, das vor Weihnachten (8. Dezember) an der Tür klopft und um Unterschlupf bittet. Wer ihm aufmacht, muss sich gut um ihn kümmern. Zum Dank „scheißt“ er zu Weihnachten Leckerein.

Quellen:

https://es.answers.yahoo.com/question/index?qid=20071214094936AAUgtuJ
http://www.odditycentral.com/news/caga-tio-catalonias-wacky-present-pooping-christmas-log.html
http://suitelife.com/blog/events-and-festivals-in-barcelona/the-strangest-catalan-christmas-traditions/
https://es.wikipedia.org/wiki/Ti%C3%B3_de_Nadal
http://blogs.20minutos.es/yaestaellistoquetodolosabe/que-es-y-cual-es-el-origen-de-la-tradicion-catalana-de-fer-cagar-al-tio/
http://www.waldwissen.net/lernen/forstgeschichte/wsl_weihnachtsbaum/index_DE
https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbaum
http://www.ndr.de/kultur/geschichte/Die-Geschichte-des-Weihnachtsbaumes,weihnachtsbaum18.html
https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/oeko-weihnachtsbaeume-fuer-weniger-gift-im-wohnzimmer/
 
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