Leistungen des Ökosystems Wald

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Ökosysteme umfassen zahlreiche biotische sowie abiotische Interaktionen und Prozesse wie Zersetzung, Nährstoffkreisläufe, Produktion von Biomasse und Energiefluss. Die Zusammenhänge und Interdependenzen sind äußerst umfangreich und komplex. Eine Störung der Stabilität oder Gesundheit eines Ökosystems hat deshalb weitreichende und oft verheerende Auswirkungen, auch auf den Menschen. Nach einem Bericht der World Health Organization und des Secretariat of the Convention on Biological Diversity von 2015 sind Güter und Dienstleistungen des Ökosystems wesentlich für unsere Gesellschaft, unsere wirtschaftliche Entwicklung sowie unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Bei den Millennium Ecosystem Assessments wurden vier Hauptkategorien von Ökosystemleistungen angenommen: Bereitstellende Leistungen wie die Versorgung mit Wasser, Nahrung und Holz; regulierende Leistungen wie Schädlingsbekämpfung, Klimaregulierung und Regulierung der Wasserqualität; kulturelle Leistungen wie Erholungs- und spirituelle Aspekte; und unterstützende Leistungen wie Photosynthese, Bodenbildung und Nährstoffkreislauf. Wälder sind von entscheidender Bedeutung in all diesen Kategorien, und somit auch für unsere Gesundheit sowie die Funktions- und Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen.

 

Bereitstellende Leistungen

Eine wichtige Leistung von Ökosystemen ist die Grundversorgung mit Wasser, Nahrung und weiteren Holzprodukten sowie NTFP (Nicht-Holz Produkte).

Dank der Wälder wird die Kapazität der Wasserinfiltration in den Untergrund erhöht, wodurch die Wasserreserven für den Verbrauch durch Menschen sowie andere Organismen erhöht werden. Außerdem filtern und reinigen Wälder das Regenwasser. Mit der richtigen Waldbewirtschaftung kann dazu beigetragen werden, dass 74 bis 88 Prozent des Regens in den Boden gefiltert statt abgefangen werden. So verringern gut bewirtschaftete Wälder den Wasserstress der Bäume und erhöhen die Wasserressourcen durch Auffüllen von Grundwasserleitern, Sümpfen, Reservoiren und Quellen.

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Viele Lebensmittel stammen aus dem Wald, von unterschiedlichsten Nussarten, über Oliven bis hin zu Honig aus Bienenstöcken. Eines der beliebtesten Nahrungsmittel aus dem Wald sind Pilze. Auch Tees aus Hagebutten, Linden und verschiedenen anderen Pflanzen und Kräutern, die alle aus dem Wald stammen, sind weit verbreitet. Neben der Nutzung als Lebensmittel finden viele Pflanzen auch in der Kosmetik und Medizin Einsatz. Lotionen, Salben und andere kosmetische Produkte bestehen häufig aus Kräutern oder Ölen von Pflanzen, die im Wald wachsen. Auch die Verwendung von Pflanzenteilen wie Wurzeln und Blättern für pflanzliche Arzneimittel ist vielfältig und hat großes Potential. Viele Heilpflanzen, wie zum Beispiel Bärlauch, Brennnessel oder Schwarzer Holunder, wachsen im Wald.

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Als eines der bekanntesten Waldprodukte ist Holz immer noch ein beliebtes Material für Möbel und Konstruktionen wie Häuser, aber auch Zäune, Uferstabilisierung, Schutzbarrieren und vieles mehr. Auch Papier besteht aus Holz. Papierzellstoff wird aus Zellulose von Bäumen hergestellt. Neben Holz wird beispielsweise auch Kork zum Bauen verwendet. Das aus Korkbäumen gewonnene Material wird unter anderem zur Isolierung von Wänden und Böden verwendet. Generell findet Biomasse zunehmend unterschiedliche Anwendungen, etwa als Treibstoff, um nicht nachwachsende Ressourcen zu ersetzen.

 

Regulierende Leistungen

Eine weitere wichtige Funktion von Ökosystemen ist ihre regulierende Leistung. Ein gesundes Ökosystem übernimmt essentielle Aufgaben von der Schädlingsbekämpfung über die Klima- bis hin zur Wasserregulierung.

In einem gesunden und richtig bewirtschafteten Wald können Bäume selbst Resistenzen gegen Schädlinge entwickeln und sind somit nicht auf chemische Eingriffe angewiesen. Indem Wälder auf natürliche Weise eine Beständigkeit gegen Schädlinge aufbauen, werden Flora und Fauna innerhalb des Ökosystems geschützt.

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Wälder spielen zudem eine große, auch vom UN-Klimagipfel anerkannte Rolle in der Eindämmung des Klimawandels sowie dessen Folgen. Laut Kyoto-Protokoll sind Wälder neben ozeanischem Plankton und Torfgebieten die wichtigsten Kohlenstoffsenken des Planeten. Durch die Förderung der Erhaltung der Wälder werden die Mengen an atmosphärischem CO2, die die globale Erwärmung durch den Treibhauseffekt fördern, gesenkt. Dank ihrer Regulierungsfunktion, wie z.B. Kühlwirkung, Wasserspeicherung und Windschutz, können Wälder zudem wesentlich zur Minderung durch den Klimawandel bedingter, extremer Wetterereignisse und der durch sie verursachten Katastrophen wie Überschwemmungen, Dürren und steigenden Temperaturen beitragen. Zudem schützen sie den Boden vor Erosion, weil die Bäume mit ihren Wurzeln den Boden festhalten und ihn mit ihren Überdachungen vor den direkten Auswirkungen von Regentropfen schützen, die bei einem Sturm große Schlammlawinen auslösen können.

Die Verbreitung und nachhaltige Pflege von Waldgebieten bietet also viel Potenzial für den Kampf gegen den Klimawandel. Auf der anderen Seite hat das Waldsterben auch deshalb verheerende Folgen, da das in den Bäumen gespeicherte CO2 freigesetzt wird. Die Menge an Kohlenstoff, die im Holz akkumuliert wird, ist beträchtlich, sie macht etwa 50% des Gewichts eines Baumes aus. Wenn der Baum stirbt, wird unter anderem CO2 und Methan in die Atmosphäre oder ins Wasser abgegeben. Deshalb ist es so wichtig, den Fortbestand des Waldes zu garantieren. Im Falle einer Störung, sei es ein Brand oder unkontrollierter Holzeinschlag, würde nicht nur das in den Pflanzen gebundene CO2 freigesetzt, sondern aufgrund der Erosionsprozesse, die auf eine solche Störung folgen, auch das im Boden zurückgehaltene Kohlenstoffdioxid.

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Wasser ist gleichzeitig eine essentielle Lebensgrundlage und eine potentielle Bedrohung. Während die Versorgung mit sauberem Wasser überlebenswichtig sowohl für Menschen als auch für andere Organismen ist, kann verunreinigtes Wasser fatale Folgen haben. Deshalb ist die Regulierung der Wasserqualität eine unabdingbare Funktion von Ökosystemen.

Wälder verbessern die Wasserqualität von Flüssen, indem sie die Bodenerosion verhindern, Sedimente einfangen, Nährstoffe sowie chemische Schadstoffe entfernen, die mikrobielle Verunreinigung der Wasserressourcen reduzieren und die Versalzung verhindern. Entsprechend bewirtschaftete Wälder verbessern die Bodenfeuchtigkeit und die Drainage und machen den Boden dadurch widerstandsfähiger gegen Trockenheit.

 

Kulturelle und unterstützende Leistungen

Auch die kulturelle Funktion von Ökosystemen darf nicht außer Acht gelassen werden. Eine natürliche Umgebung, beispielsweise der Wald, bietet ein gesundes Umfeld für Freizeitaktivitäten. Mit ihrem entspannenden Ambiente und der Abwesenheit von sozialen Stressfaktoren bieten Wälder einen idealen Ort des Lernens, der spirituellen Gesinnung und der Erholung.

Nicht minder relevant sind die sogenannten unterstützenden Leistungen von Ökosystemen. Durch Prozesse wie Photosynthese, Bodenbildung und Nährstoffkreisläufe werden primäre Prozesse unterstützt beziehungsweise ermöglicht.

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Durch Photosynthese nehmen Pflanzen CO2 aus der Atmosphäre auf, speichern Kohlenstoff und geben Sauerstoff an die Umwelt zurück. Damit versorgen sie nicht nur den Menschen mit einer unverzichtbaren Lebensgrundlage, sondern ermöglichen verschiedensten Organismen das Ausführen auf Sauerstoff basierender Prozesse. Waldgebiete, mit ihrer hohen Pflanzendichte, stiften hier einen wichtigen Beitrag. Auch im Austausch von Nährstoffen sowie der Anreicherung nährstoffreichen Bodens spielen gesunde Wälder mit einer Vielfalt von Bäumen, Pilzen und anderen Organismen eine wichtige Rolle. Um diese Prozesse zu fördern und sichern ist eine nachhaltige Forstwirtschaft jedoch unabdingbar.

 

Artenvielfalt und Ökosysteme

Die verschiedenen Eigenschaften und Funktionen einzelner Spezies haben komplexe Auswirkungen auf Ökosysteme, weshalb ein Verlust derselben das Gleichgewicht des Ökosystems stark beeinträchtigen kann. Eine größere Masse und höhere Varietät von Arten innerhalb eines Ökosystems tragen zu dessen Effizienz und Produktivität in der Ressourcengewinnung, Biomasseproduktion sowie Zersetzung und Recycling von essentiellen Nährstoffen bei. Studien zeigen, dass mit sinkender Artenvielfalt Veränderungen im Ökosystem zunehmen. Eine Erhöhung der Artenvielfalt hingegen beeinflusst die Stabilität des Ökosystems mit der Zeit positiv.

Wälder stellen einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen dar. Gesunde Wälder bieten eine größere Artenvielfalt als jedes andere Ökosystem. Deshalb sind der Rückgang von Waldflächen und die mangelnde oder nicht adäquate Bewirtschaftung derselben eine äußerst starke Bedrohung für die Artenvielfalt und damit des Ökosystems.

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Trotz der hohen Relevanz und der unzähligen Leistungen von Wäldern sind diese gefährdeter und verletzlicher denn je. Dürren, Waldbrände, Krankheiten und der Rückgang der natürlichen Ressourcen – alles Faktoren, die durch den Klimawandel verstärkt werden – zerstören die Gesundheit der Wälder und verringern die von Wäldern bedeckten Gebiete. Deshalb müssen Wälder aktiv geschützt und gepflegt werden. Genau das ist Ziel der nachhaltigen Forstwirtschaft. Erfahre hier mehr über nachhaltige Forstwirtschaft und die Arbeit von Social Forest!

 
 

Damit verbundene SDG

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